"Werte" in der Existenziellen Erziehung

 

Werte

Wert wird in der Existenzanalyse definiert als „Grund, der zu einer Bevorzugung beziehungsweise einer Zurückstellung einer Wahl führt.“ Als Wert wird empfunden, „was dem (vitalen und/oder geistigen) Leben förderlich ist“ (Längle, 2000, S. 45, zitiert nach Waibel 2011, S.70). In der Existenzanalyse werden „Allgemeine Werte“ von den „Personalen Werten“ unterschieden:

Allgemeine Werte

Die „Allgemeinen Werte“ sind, Werte, die eine öffentliche Verbindlichkeit haben, von denen die Mehrheit einer Gesellschaft glaubt, es sei gut, dass sie in der Regel befolgt werden. Allgemeine Werte sind für das Zusammenleben wichtig, da sie eine Orientierungshilfe im Alltag geben. Als Richtschnur entlasten sie den Einzelnen, da nicht jede Wertentscheidung von Grund auf durchdacht werden muss. 

Personale Werte

Die „Personalen Werte“ sind „Werte, die den Menschen in seiner Person anziehen, ihn ansprechen, am Herzen liegen, ihm Herzklopfen verursachen“ (Waibel,2011,S.72). Sie machen einen Menschen lebendig, sprechen ihn in seinen Emotionen an. Personale Werte sind wesentliche Orientierungspunkte für ein sinnerfülltes Leben. Sie sind jedoch radikal subjektiv und beziehen sich auf die jeweilige Person und die jeweilige Situation. „Personale Werte“ sind also nicht „gewusst“, sondern „erlebt“, sie berühren den Menschen und lösen in ihm Gefühle aus. Der Mensch, der mit seinen personalen Werten in Kontakt kommt, erlebt Leidenschaft und Begeisterung. Er kann eintauchen und erlebt „Flow“, das Gefühl, ganz mit seiner Sache und mit ihm selbst verbunden zu sein.

 

Wertstrassen

Frankl gliederte die Personalen Werte in drei Wertstrassen.

 

Die Erlebniswerte (Vita contemplativa)

Dies sind Werte, die den Menschen die Welt erfahren lassen: Die Natur oder ein kulturelles Werk geniessen, sich auf die Begegnung mit andern Menschen einlassen. Erlebniswerte setzen ein aktives Einlassen voraus (vgl. Waibel, 2011, S. 76).

 

Die schöpferischen Werte (Vita activa)

Schöpferische Werte verwirklicht der Mensch, wenn er etwas ins Leben ruft, wenn er aktiv und kreativ die Welt bereichert: Musik machen, einen Text schreiben, ein spezielles Gericht kochen..

 

Die Einstellungswerte

Wenn der Mensch keinen Handlungsspielraum mehr hat, sein Schicksal selbst zu bestimmen, hat er immer noch die Möglichkeit, zu wählen, wie er mit diesem Schicksal umgehen will. Frankl bezeichnet diese Lebenshaltungen als „Einstellungswerte“. Diese kommen bei einer unheilbaren Krankheit im Angesicht des eigenen nahen Todes, im Gefängnis oder Konzentrationslager, beim Tod eines lieben Menschen zum Tragen. Der betroffene Mensch kann mit seiner Einstellung ein Zeichen setzen, diesen Schicksalsschlag nicht einfach passiv anzunehmen, sondern aktiv sein Leben innerhalb dieser Gegebenheiten zu gestalten.

„Das Schicksal, das ein Mensch erleidet, hat also erstens den Sinn, gestaltet zu werden – wo möglich – und zweitens getragen zu werden – wo nötig“ (Frankl, 1987-2, S. 151, zitiert nach Waibel, 2009, S. 115).