Grundlagen der Existenziellen Erziehung

Grundlagen der Existenziellen Erziehung

Die Existenzielle Erziehung basiert auf der von Viktor Frankl begründeten Logotherapie und Existenzanalyse, die den Blick auf die geistige Dimension des Menschen richtet und sein Streben nach Sinn im Leben als dessen zentrale Antriebskraft versteht.

Existenzphilosophie

Die Existenzphilosophie ist eine philosophische Strömung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland unter dem Eindruck des Zerfalls der alten Ordnungen entwickelt hat. In einem Klima der Verunsicherung und des Ausgeliefertseins sucht die Existenzphilosophie innerhalb des Menschen den festen Punkt, den es ausserhalb nicht mehr gab. Es geht darum, „das menschliche Leben unter Ausschaltung aller darüber hinausgehenden Setzungen rein aus sich selber zu verstehen“ (Bollnow, 1984, S.11, zitiert nach Waibel, 2011, S. 21). 
„Die Idee der Existenzphilosophie ist, dass jeder einzelne Mensch seine eigene Ethik entwickelt und über sich selbst bestimmt. Dadurch nimmt er Mass an sich selbst“ (Waibel 2011, S. 22).
Der dänische Philosoph und Schriftsteller Søren Kierkegaard gilt als Begründer der Existenz-philosophie. Ein weiterer wichtiger Vertreter ist Karl Jaspers.

 

Existenzanalyse und Logotherapie

Existenzanalyse

„Die Existenzanalyse ist ein phänomenologisch-personales Psychotherapieverfahren mit dem Ziel, der Person zu einem (geistig und emotional) freien Erleben, zu authentischer Stellungnahme und zu eigenverantwortlichem Umgang mit sich selbst und ihrer Welt zu verhelfen.“ (Längle, 2013 S. 24).

 „Unter ‚Existenz` wird in der Existenzanalyse ein sinnvolles, in Freiheit und Verantwortung gestaltetes Leben verstanden, das der Mensch als das seinige erlebt und worin er sich als Mitgestalter versteht.“ (Längle, 2001, S.6. zitiert nach Waibel 2011, S. 23). Bei der Existenzanalyse steht die Person mit ihren Ressourcen im Mittelpunkt und setzt beim konkreten Erleben dieser Person an. „Ihr Schwerpunkt liegt im Finden von Zustimmung, Stellungnahme, Verantwortung, Gewissen, Authentizität, Dialog und Sehen der Andersheit.“ (Längle, 2013, S. 25).

 

Logotherapie

Die Logotherapie ist ein Spezialgebiet der Existenzanalyse, das sich der Analyse, Prophylaxe und Behandlung von Sinnproblemen und insbesondere der Behandlung von Sinnverlust widmet (Längle, 2013 S. 29).

Sie wird in der Begleitung und Unterstützung in der Sinnsuche angewandt ist und demzufolge eine sinn-zentrierte Beratungs- und Behandlungsform.

 

Auf der Website des „Schweizer Institut für Logotherapie und Existenzanalyse“ (www.logotherapie.ch) wird die Bedeutung der Logotherapie wie folgt begründet:

„Immer mehr gesunde und kranke Menschen, besonders der reichen Nationen, geraten in den Zustand der existenziellen Frustration. Das heisst: sie sind unfähig, einen Sinn in ihrem Leben zu entdecken und zu verwirklichen. In solchen Situationen ist Sinnentdeckungshilfe zu leisten. Deren Ziel besteht u.a. darin, dass der betroffene Mensch – im Vor-Blick auf seine objektive Situation Verantwortung übernehmen und schöpferisch sein kann und im Rück-Blick auf seine spezifischen Fähigkeiten (Existenzanalyse) – seine ureigensten Sinn-möglichkeiten entdecken und verwirklichen kann. Dabei ist entscheidend, dass die Therapeutin bzw. der Therapeut keine Sinnmöglichkeiten von sich aus anbietet, sondern vielmehr den Klienten bzw. die Klientin zur eigenständigen Sinnentdeckung und Sinnverwirklichung freisetzt. Auf diese Weise wird die in der psycho-therapeutischen Szene vielfach vernachlässigte Dimension des Geistes für den Heilungsprozess fruchtbar gemacht. Das aber heisst: Der Mensch wird nicht allein als psychosomatisches Wesen wahrgenommen, das Triebkonflikte (S. Freud) lösen muss, sondern vor allem als Wesen, das für seine Lebensgestaltung Verantwortung übernehmen und schöpferisch sein kann.“

               http://www.logotherapie.ch/index.php?id=6)