Die vier Grundmotivationen

 

Die vier Grundmotivationen

 

Die vier Grundmotivationen wurden von Alfried Längle 1993 für die Existenzanalyse eingeführt. Sie können auch als Grundbedingungen oder Grundthemen der Existenz bezeichnet werden und beinhalten die existenziellen Anfragen an den Menschen und sein Leben. 

 

1. Grundmotivation: Ich finde mich im Leben zurecht

In der ersten Grundmotivation geht es um den Weltbezug: Ich bin – kann ich sein? Der Mensch ist auf die Welt gekommen – wie kann er sein Dasein auf dieser Welt bewältigen? Kann er unter den gegebenen Umständen überhaupt sein?

Dabei stellen sich die Frage nach Schutz, nach Raum und Halt. Wenn ein Mensch sich grundsätzlich geschützt, gehalten und sicher fühlt, entsteht daraus das Grundvertrauen als Basis für sein Dasein.

 

2. Grundmotivation: Ich freue mich, dass ich lebe

Es genügt nicht, einfach das Dasein gesichert zu haben. In der zweiten Grundmotivation geht es um die Frage nach dem Lebensbezug: Ich lebe – mag ich leben?

Um ein existenzielles Leben zu verwirklichen, braucht es im Leben Beziehungen, die Zeit als Raum der  Beziehungen und Nähe zu Menschen und Objekten. Auf dieser Basis kann der Mensch Zuwendung geben und erhalten. Daraus erwächst ein tiefes Wahrnehmen des Wertes, den das Leben hat, den  sogenannten Grundwert.

 

3. Grundmotivation: Ich bin ich - und das ist gut so

Jeder Mensch erlebt sich als Subjekt. Darum lautet die Grundfrage des Personseins: Ich bin ich – darf ich so sein? Um sich selbst sein zu dürfen, braucht es drei Voraussetzungen: Beachtung, Gerechtheit und Wertschätzung.

Wenn ein Mensch gesehen und beachtet wird, entsteht ein Selbstbild in Abgrenzung zu andern. Daraus entwickelt sich ein Gefühl einer eigenen Mitte, eines  Seigenen Wertes. Und wenn ein Mensch aufgrund der erstarkten Eigenständigkeit ein Gefühl  für das für ihn Richtige entwickelt, kann er Recht von Unrecht unterscheiden. Er beurteilt sein eigenes Handeln und das Handeln anderer anhand seiner Werte. Sein Selbstbild gewinnt an Festigkeit, sein Selbstwert wird fundiert.

 

4. Grundmotivation: Ich will mich einsetzen - doch wofür?

Der Mensch will sein Dasein verstehen. Er fragt nach dem Woher, Wohin und Wozu: „Ich bin da – wofür soll ich da sein? Diese Sinnfragen sind wesentlich für seine Existenz.

Als Voraussetzungen für eine erfüllende Existenz braucht es einerseits ein Tätigkeitsfeld, um das anzuwenden und umzusetzen, was dem Menschen wichtig ist. Zudem braucht es einen Kontext, in dem der Mensch eingebunden ist, den Strukturzusammenhang (Familie, Arbeitsplatz, Natur etc.). Auf der Grundlage eines in die Zukunft gerichteten Wertes ensteht durch das Handeln des Menschen nach und nach sein Lebenswerk. So erlebt der Mensch Erfüllung und ein Gefühl des Aufgehobenseins, sein Dasein erhält einen existenziellen Sinn.