Antworthaltung

Existenzielle Lebenshaltung – Antworthaltung

„Menschsein heisst, in Frage stehen – Leben ist Antwort geben.“ (Längle)

Für Frankl ist der Mensch nicht auf der Welt, um etwas einzufordern (Was habe ich vom Leben zu erwarten?), sondern um mit seinem ganzen Sein eine Antwort auf die Welt zu geben (Was erwartet das Leben von mir?). Die Antworthaltung führt aus dem (eher passiven) Dasein in die (eher aktive) Existenz.

Im Gegensatz zur „Wunschhaltung“ (oder „Anspruchshaltung“) stellt der Mensch in dieser Denkposition nicht Forderungen an die Welt und wartet darauf, dass diese möglichst bald und möglichst umfassend erfüllt werden, sondern gestaltet und verantwortet sein Leben selbst.

Dieser Wechsel von der „Wunschhaltung“ zur „Antworthaltung“ wird in der Existenzanalyse als „Existenzielle Wende“ bezeichnet.


Personale Stellungnahme

„Menschsein ist entschiedenes Selbst“ (Carl Jaspers).

Menschen entscheiden selbst oder werden entschieden. Für ein existenzielles Leben sind Entscheidungen zentral. Darin zeigen sich die personalen Stellungnahmen und manchmal auch die dahinter stehenden personalen Werte deutlich. Aus der Unsicherheit und Ungewissheit tritt er heraus und entscheidet, was ihm jetzt wichtig ist. Damit übernimmt er auch Verantwortung für sein Handeln, für sein Leben und überlässt nichts dem Zufall, den Umständen. Entscheidungsunfähigkeit führt immer wieder zu existenzieller Frustration.

Wenn ein Mensch in der Antworthaltung lebt, nimmt er aus seiner Person heraus Stellung und tritt in Austausch mit der Welt. Die von aussen an ihn herantretenden Eindrücke nimmt er wahr, bewertet sie und vergleicht sie mit den eigenen personalen Werten. Aus diesem Erwägen trifft er eine Wahl und fällt dann eine Entscheidung. Der Mensch reagiert nicht einfach, er antwortet.

Von der (spontanen) Copingreaktion zur (personalen) Handlung

Copingreaktionen sind spontane Reaktionsweisen, die helfen, mit einer als bedrohlich, belastend, verletzend oder aussichtslos wahrgenommenen Situation fertig zu werden. Sie haben eine entlastende, Angst reduzierende Funktion, sind aber nicht personal, da ihnen das Moment der Freiheit fehlt. Um in diese Freiheit und die damit verbundene Verantwortung zu kommen, bedarf es einer personalen Stellungnahme. Der Eindruck wird bewusst wahrgenommen, um ihn dann zu beurteilen und zu verstehen. In der personalen Stellungnahme tritt der Mensch in Kontakt mit seiner ganzen Person und damit auch mit seinen personalen Werten. Der Ausdruck ist dann eine bewusste und entschiedene Handlung im Einklang mit seiner Person.

                                                                                                                             

Bedrohung

Copingreaktion

Personale Stellungnahme

Im Streben nach Sicherheit, Raum und Halt

Fliehen, hassen, kämpfen/angreifen, erstarren (Totstellreflex)

Aushalten, aus dem Weg gehen, Gewissheit schaffen, in Sicherheit bringen

Im Streben nach Beziehung und Nähe

Rückzug, Leistung, wütend sein, gelähmt sein

Trauern, zuwenden, Nähe halten, positionieren, Betroffenheit ausdrücken, Konflikt ertragen

Im Streben nach Achtung, Wertschätzung, Gesehen werden

Sich distanzieren, funktionieren, ärgern/grollen, dissoziieren

Bereuen, begegnen, abgrenzen, sich wertschätzen, zu sich stehen, sich behaupten, Widersprüche integrieren

Streben nach Sinn

Oberflächlich agieren, sich nicht einlassen, verzwecken/reduzieren, entwerten, «madig machen»

Tätig werden, Werte umsetzen, sich hingeben, Leere aushalten, Kontext sehen, demütig sein

 

 

Wille und Wunsch

In der Existenzanalyse wird der Wille als zentrale geistige Kraft verstanden, aus dem heraus das wertbezogene Handeln entspringt. Je stärker ein Mensch von einem Wert angesprochen ist, desto stärker ist auch der daraus resultierende Wille (vgl. Waibel 2011, S. 83).

In Abgrenzung zum Willen wird der Wunsch als etwas verstanden, was eher eine passive Erwartungshaltung widerspiegelt. Die Welt (der andere Mensch, die „Umstände“) soll eigene Wünsche erfüllen. Im Wollen „ergreift der Mensch die Welt“, wird aktiv und zupackend.

Wenn Menschen ihre personalen Werte erkennen und sich von ihnen ansprechen und anziehen lassen, wird auch ihr Wille gestärkt, sich für die Umsetzung anzustrengen. 

Wo ein Wert, da ein Wille, wo ein Wille, da ein Weg.